Project Description

Viktoria Gatzweiler, 30, aus Essen

„Wir haben drei Alpakas: Willi, Alfi und Fritz.“

Hallo Viktoria, stell dich bitte kurz vor!

Ich heiße Vicky, bin 30 Jahre alt und wohne mit meinem Mann Julian in Essen. Wir leben auf dem Oberschuirshof, mit vielen Tieren, darunter drei Alpakas. Hauptberuflich arbeite ich in Neuss bei einer Auto-Bank im Marketing.

Warum ausgerechnet Alpakas?

Ich habe Tiere immer geliebt. Schon als Kind hatte ich Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Vögel – zum Leidwesen meiner Eltern alle in meinem Zimmer. Vor drei Jahren bin ich zu Julian auf den Hof gezogen, er ist dort auch aufgewachsen. Der Hof gehört seiner Familie seit neun Generationen. Einmal waren wir am Wochenende in Schermbeck auf einem Flohmarkt, zu dem auch ein Tiermarkt gehörte. Dort gab es Alpakas. Wir haben gescherzt: Wie witzig es wäre, Alpakas zu haben! Dann fingen wir an, weiterzudenken: Alpakas verjagen Füchse, das ist auf einem Hof mit Gänsen sehr praktisch. Also haben wir uns informiert, was Alpakas brauchen und stellten fest: Sie sind relativ pflegeleicht. Wir hatten alles und mussten nur noch den Stall bauen. Also sind wir zum Züchter gefahren und haben uns beraten lassen. Einen Monat später sind Willi, Alfi und Fritz eingezogen.

Wie viel Zeit verbringst du mit den Tieren?

Jede freie Minute! Wenn ich von der Arbeit komme, freue ich mich immer sehr, sie zu sehen. Am Wochenende sind mein Mann und ich meistens zu Hause. Bei uns ist immer die Tür offen: Freunde kommen vorbei und wir verbringen viel Zeit draußen.

Alpakas sind ja irgendwie der neue Trend, oder?

Ich habe noch nie jemanden getroffen, der gesagt hat: Alpakas find ich doof. Der Plan für die Zukunft ist, unsere drei für Wanderungen, Fotoshootings und Hochzeiten zu vermieten. Aber sie brauchen eine Weile, um sich an unterschiedliche Menschen und Situationen zu gewöhnen. Alpakas sind eigentlich Fluchttiere und zu Beginn eher scheu. Aber egal, ob am Ende finanziell was dabei herumkommt: Die Tiere sind einfach toll und eine große Bereicherung für uns.

Muss man im Umgang mit Alpakas irgendwas beachten?

Alpakas dürfen nur Heu und Gras fressen. Kein Obst, kein Brot, kein Gemüse. Darum ist es sehr wichtig, Alpakas nicht zu füttern, wenn man an einer Weide vorbeikommt. Gut zu wissen ist auch: Alpakas sehen zwar süß und flauschig aus, aber sie werden gar nicht so gerne gestreichelt. Aber man kann zum Beispiel sehr gut mit ihnen spazieren gehen.

Alpakas sind auch Therapietiere …

Ja, weil sie auf viele Menschen eine sehr beruhigende Wirkung haben. Sie werden zum Beispiel bei Burnout und bei der Arbeit mit behinderten Menschen eingesetzt. Der Vater von Willi und Fritz war so entspannt, dass er sogar öfter mit im Krankenhaus war. Den konntest du problemlos mit in den Aufzug nehmen.

Funktioniert die Fuchsabwehr?

Ich würde sagen, ja! Wir haben einen kleinen Hund, der ein bisschen fuchsähnlich aussieht. Tagsüber versteht er sich gut mit den Alpakas, aber wenn er im Dunkeln angerannt kommt, stehen die drei da gleich in Angriffsstellung.

Lebst du schon immer in Essen?

Ich komme aus Essen-Kettwig, habe in Maastricht studiert und bin danach wieder nach Essen gezogen. Ich habe es also ganze drei Kilometer weit geschafft: von Kettwig nach Schuir!

Warum hast du in Maastricht studiert?

Schon mein älterer Bruder war früher dort an der Uni – und ich wollte nicht so weit weg vom Ruhrgebiet. Außerdem hat die Hochschule einen super Ruf. Ich habe im Bachelor International Business und im Master Strategic Marketing studiert, alles auf Englisch. Es gab kleine Lerngruppen und regelmäßige Prüfungen, dieses verschulte System hat mir gut gefallen. Außerdem fand ich Maastricht als Stadt wahnsinnig toll. Insgesamt war ich fünf Jahre dort, mit einer Unterbrechung für ein Praktikum in Deutschland und einem Auslandssemester in Frankreich.

Hast du noch mehr Geschwister?

Ja, eine ältere Schwester. Sie ist Grundschullehrerin und hat drei Kinder. Mein Bruder arbeitet im Vertrieb. Ich bin die Jüngste.

Was machen deine Eltern?

Sie sind inzwischen beide pensioniert. Mein Vater war Lehrer am Gymnasium in Kettwig, meine Mutter Lehrerin an der Realschule. Mein Vater handelt mit alten Ansichtskarten aus der ganzen Welt. Die kauft er in großen Mengen auf und verkauft sie über Ebay. Viele Karten sind etwa 100 Jahre alt und entsprechend wertvoll. Mein Vater hat fast eine halbe Million Exemplare und kann dir bei jeder Karte sagen, was sie wert ist. Das hängt vom Motiv und Alter ab und davon, wie selten die Karte ist. Manche Ansichtskarten gehen bei Ebay für kleine Eurobeträge weg, andere für sogar bis zu 100 Euro.

Wer bezahlt 100 Euro für eine Postkarte?

Menschen, denen es um genau dieses seltene Motiv geht. Wenn wir zum Beispiel eine alte Postkarte vom Oberschuirshof fänden, dann wären wir auch bereit so viel dafür auszugeben. Mein Vater hat mit Karten aus Kettwig angefangen, dann wurde es immer größer. Momentan hat er zwei Mitarbeiter und betreibt seinen Handel ziemlich professionell. Es gibt auch Agenturen und Internetplattformen, über die man Postkarten vertreiben kann. Dann können zum Beispiel Magazine sie einkaufen und veröffentlichen.

Gab es in deinem Leben mal eine besondere Situation – glücklich oder traurig?

Zum Glück habe ich bisher – klopf auf Holz! – noch nichts Schlimmes erlebt. Mein Leben, wie es jetzt ist, ist mein persönlicher Traum. Ich hätte zwar gerne noch etwas weniger Büroarbeit und mehr Zeit mit unseren Tieren, aber schon jetzt ist meine Situation pures Glück.

Dein Mann und du werdet bald noch kirchlich heiraten. Kommen die Alpakas zur Hochzeit?

Ich freue mich schon sehr auf die Feier, der Empfang wird bei uns auf dem Hof sein. Also spielen die Alpakas auch eine Rolle. Sie bekommen Blumengirlanden umgehängt und werden auf den Hochzeitsfotos mit drauf sein.

Wie hast du deinen Mann kennengelernt?

Wir sind nicht weit voneinander entfernt aufgewachsen, aber obwohl wir zum Teil denselben Freundeskreis hatten, sind wir uns nie begegnet. Ein Jahr, bevor wir zusammenkamen, brachte eine Freundin ihn mit zu meiner Geburtstagsparty. Er studierte damals in Amerika und war nur zu Besuch. Damals war ich noch in einer anderen Beziehung und habe den ganzen Abend kaum ein Wort mit ihm gewechselt. Ein paar Monate später hatte ich mich von meinem Ex-Freund getrennt und ging viel mit Freunden aus. Julian war zurück in Essen und kam öfter mit. Als wir anfingen, uns zu zweit zu treffen, war alles noch ganz locker, aber alle sahen uns schnell als Paar. Wir haben dann später zurückdatiert, seit wann wir eigentlich zusammen sind. Zwei Jahre später haben wir standesamtlich geheiratet.

Hat er dir einen Antrag gemacht?

Ja, in einem gemeinsamen Urlaub mit meinen Eltern. Es war wieder mein Geburtstag. Mein Vater wusste Bescheid und sagte mir, abends gäbe es eine Überraschung. Ich dachte mir nichts dabei, es war schließlich mein Geburtstag – aber ich merkte, dass Julian nervös wurde, als es auf das Abendessen zuging. Abends auf der Hotelterrasse kam dann eine Flasche Champagner und ich dachte, wow, mein Vater legt sich aber ins Zeug! Ich wollte gleich anstoßen, aber Julian sagte: Nein, noch nicht. Mein Vater lachte und sagte zu ihm, er solle sich ruhig ein bisschen Mut antrinken. Dann überreichte Julian mir sein Geschenk – er war total aufgeregt –, einen großen Karton mit alten Büchern. Das war aber nur die Tarnung, denn dazwischen lag das Kästchen mit dem Ring. Ich war so überrascht, dass ich erst mal „Ne!“ gesagt hab, im Sinne von: ist ja nicht wahr! Aber dann habe ich sofort Ja gesagt.

Was magst du am Ruhrgebiet?

Dass es so vielseitig ist! Ich wohne auf dem Land, umgeben von Weiden und Feldern, und bin trotzdem in zehn Minuten in Rüttenscheid und auch schnell in anderen Städten. In meinem Büro in Neuss haben die Kollegen aus Köln eine ganz andere Vorstellung von Essen. Sie machen immer große Augen, wenn ich auf Fotos zeige, wie ländlich ich wohne.

Wenn das Leben ein Comic wäre, welche Figur wärst du?

Ich wäre Heidi, die über die Felder hüpft und immer draußen bei den Tieren ist.

Instagram: @alpakamomente