Prof. Dr. Stefan Heinemann 2017-09-16T16:50:41+00:00

Project Description

Stefan Heinemann, 47 aus Essen

„Ich habe mich schon ganz früh so gefühlt wie Obelix:
Ich bin in den Zaubertrank gefallen. Aus Ideen.“

Hallo Stefan, stell dich doch bitte kurz vor.

Mein Name ist Prof. Dr. Stefan Heinemann. Ich bin akademisch von Hause aus Philosoph, Theologe und Professor für Wirtschaftsethik an der FOM Hochschule. Zudem beschäftige ich mich mit der Digitalisierung, unter anderem in Gesundheit und Medizin. Außerdem engagiere ich mich in verschiedensten ehrenamtlichen Projekten – zum Beispiel als Initiator von Lieblingsfarbe BUNT. Ich bin in Essen-Huttrop und Bergerhausen aufgewachsen. Ich bin begeisterter und grottenschlechter Hobbyboxer und nebenbei Musikproduzent aus Leidenschaft.

Wie ist es dazu gekommen, dass du Professor geworden bist? Womit hat alles angefangen?

Also zunächst mal gilt die biografische Grundregel: Auch ein Professor war nicht immer Professor. Meine stärkste Inspirationsquelle auf diesem Weg dahin, mich überhaupt für Wissenschaft zu interessieren, war die Philosophie. Ich habe tatsächlich schon als junger Kerl in der Schule das große Glück gehabt, einen Philosophielehrer zu haben, der mich für Philosophie interessiert hat. Ich fand zwar auch andere Fächer interessant, aber Philosophie war irgendwie etwas Besonderes. Im Biologie-Unterricht lernst du Bio. Im Englisch-Unterricht lernst du Englisch. Im Mathe-Unterricht lernst du Mathe. Und der 360-Grad-Blick, der auch versucht, grundsätzliche Dinge zu denken, den gibt es eben in der Philosophie – zumindest sollte dies so sein, einem bestimmten unmodernen Verständnis von Philosophie entsprechend. Und da hatte ich das große Glück, den richtigen Lehrer zu haben, und dieses Glück, die richtigen Lehrer zu haben, ist mir zeitlebens erhalten geblieben.

Seit wann hast du dich denn gerade für Philosophie interessiert?

Ich hatte einen Schulfreund, mit dem habe ich so mit 16 oder 17 Jahren begonnen, die ersten kleinen philosophischen Texte zu schreiben. Wir haben uns einfach selbst Gedanken über die Welt gemacht und versucht, das irgendwie ins Wort zu bringen. Natürlich haben wir uns an großen Vorbildern orientiert und gemerkt, dass wenn man den eigenen Text neben einen philosophischen Text ersten Ranges legt, sieht man nicht gut aus. Also habe ich schon immer das Gefühl gehabt, wenn ich gerade die Klassiker lese – Platon, Aristoteles, Kant, Hegel – einem sehr großen Verstand gegenüberzustehen, der meinen um ein Vielfaches übertrifft. Und das fand ich ziemlich spannend. So ist es bis heute geblieben: Menschen mit Ideen, Verve, Standpunkten und gerader Haltung inspirieren mich. Davon möchte ich lernen.

Und dann hast du Philosophie studiert?

Ich habe eine ganze Menge Fächer studiert – sogar einige Semester Chemie –, aber abgeschlossen mit Philosophie und Theologie als zwei Hauptfächer.

Waren deine Eltern damit einverstanden?

Mein Vater war ein sehr bodenständiger Ruhrpottler und fand Philosophie jetzt nicht schlecht, aber er hatte Befürchtungen, dass das möglicherweise nicht die letzte biografische Erwerbssäule sein könnte, auf die ich mich da eingelassen habe. Ich wollte das aber machen. Damals gab es diese kleinen gelben Reclam-Heftchen und die habe ich mir zu unterschiedlichsten Anlässen gewünscht und hatte nach einiger Zeit eine kleine Sammlung. Diese Mini-Bibliothek habe ich heute noch. Ich erinnere mich daran, die dicke „Kritik der reinen Vernunft“ von Immanuel Kant gelesen zu haben, gelesen, nicht verstanden – Kant zu lesen ist wirklich schwierig. Den gelben Wälzer habe ich noch, ein wichtiges Buch. Ich erinnere mich auch noch an Schrödingers philosophische Schriften – Erwin Schrödinger ist eigentlich Physiker und Wissenschaftstheoretiker, aber hat auch philosophische Werke verfasst. Diese Vernetzung hat mich interessiert – das Zueinander grundlegender metaphysischer Überlegungen und anderer Wissenschaften wie den Naturwissenschaften oder eben den Sozialwissenschaften, also auch der Ökonomie. Ich habe wahrgenommen, dass mich das Thema zwar sehr begeistert hat, aber ich hatte überhaupt keinen Abschlussgedanken. Sicherlich hatte ich die biografische Gnade, dass ich das so tun konnte, habe mein eigenes Geld verdient. Das ist ja nicht ganz selbstverständlich. Ich habe quasi für mich selber ein Studium Generale organisiert, war in Chemie eingeschrieben, BWL und so weiter – auch mit Prüfungsleistungen, also schon ernsthaft. Ich bin aber an keiner Wissenschaft richtig klebengeblieben, bis eben auf die Philosophie. Das hat – nach meinem ersten Philosophielehrer – mit einer zweiten wichtigen Person in meinem Leben zu tun. Mitte der 90-er hatte ich mich an der Uni Essen für Philosophie eingeschrieben und habe da Vittorio Hösle kennengelernt. Vittorio Hösle ist heute sicherlich einer der profiliertesten Gegenwartsphilosophen überhaupt. Er lehrt seit vielen Jahren in der Notre Dame University in den USA. 2003 habe ich dort bei ihm die Summer School besucht. Es gibt wahrscheinlich zwei Grundtypen von Genies, sagte sein damaliger Dekan in Notre Dame Mark Roche: Es gibt die netten und die weniger netten Genies. Und Vittorio Hösle gehört ohne Zweifel zu den netten.

Und wie kamst du zur Theologie?

Als ich dann endlich mal soweit war, dass ich mein Studium abschließen wollte, musste ich ein zweites Fach wählen. Ich hatte schon über vieles nachgedacht – mittelalterliche Geschichte oder Politikwissenschaften – auch Politik interessiert mich sehr – als bekennender Sozialdemokrat aber auch theoretisch. Durch einen Zufall habe ich aber dann im Fahrstuhl der Universität Duisburg-Essen einen weiteren für mich sehr wichtigen Lehrer kennengelernt: Professor Miggelbrink, Professor für systematische Theologie an der Universität Duisburg-Essen im Fachbereich Katholische Theologie. Er muss irgendwie meine innere Not bemerkt haben, nicht zu wissen, was ich als zweites Fach studieren sollte, und so kamen wir ins Gespräch. Er brachte mich mit klugen Argumenten darauf, dass Theologie ein Thema für mich sein könnte und sollte. Ich habe in vielen Jahren eine akademisch und menschlich außerordentlich bereichernde Begegnung erfahren dürfen – nicht zuletzt geprägt vom ständigen Ringen um das angemessene Verhältnis von Glaube und Philosophie. Was auch Vittorio Hösle bewegt.

War Religion und Glaube für dich immer ein wichtiges Thema?

Ich war Messdiener und wir waren zuhause ein katholisch geprägter Haushalt – Vater in der katholischen Arbeitnehmerbewegung aktiv, Jungmessdienergruppe St. Alfried und vieles mehr. Religion hat also eine durchaus ein Rolle gespielt. So mit Anfang 20 hatte eine Phase, in der ich mich allerdings von der Religion in ihrer kirchlichen Gestalt abgewandt hatte, ich war nicht mehr überzeugt. Das war für meine Eltern bestimmt sehr schwierig. Ich habe mir in meiner Bude überall Nitzsche-Zitate hingeklebt: „Gott ist tot.“ So ein Unsinn! Aber Jahre später hat es durchaus zu final harten Einschnitten geführt in meiner kirchlichen Orientierung. Später habe ich aber gelernt, dass Nitzsche vollkommen falsch liegt. Aber das musste ich, wie gesagt, erst lernen – die tiefe Selbstwidersprüchlichkeit in dieser Position. Das Argument des Selbstwiderspruchs ist bis heute wesentlich für mich – in den Dissoi Logoi bereits aus alter Zeit nachzulesen: eine vermutlich vorsokratische philosophische Schrift, die wohl zum ersten Mal das Argument der Selbstaufhebung benennt. Im freien Widerstreit der Argumente gelangt man zur Wahrheit – im Dialog, Gespräch entstehen gute Dinge. Deswegen ist auch der ehrenamtliche Teil meines musikalischen Engagements so benannt. Jedenfalls: Das Faszinosum seiner, Nietzsches, starker Sprache war erst mal da und sich dann davon zu befreien, war schwierig. Da hilft nur Denken und Dialog. Ein Lehre, die heute im Zeitalter von Populismus und Fake News wieder bedrückend aktuell ist! Zudem ist die Digitalisierung keineswegs ethisch neutral und schon gerade überhaupt nicht, wenn sie Anwendung auf Themen wie Human Resource Management oder Medizin und Gesundheit findet.

Und wie hast du den Weg zu deiner Überzeugung zurückgefunden?

Den hatte ich nie verloren. Die vielen Gespräche in der Gemeinde, auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung und am Ende das Gebet haben die Versöhnung eingeleitet und begleitet. Heute spreche ich viel mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Religionen, dem Islam, dem Judentum, dem Buddhismus und Hinduismus – aber auch mit Atheisten. Es gibt kaum wahrhaft freiere Dialoge als diejenigen, die Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen führen ohne sich zu erschlagen. Eine bunte Welt, die gleichzeitig eine Welt von Frieden und Gerechtigkeit ist, muss eine bleibende Aufgabe sein. Für alle. Heute bin ich seit vielen Jahren wieder überzeugter Katholik und habe neu gelernt, meine Hände zu falten, vielleicht überzeugter als wäre ich diesen Weg nicht so gegangen. Dialektisch eben: Die Negation der Negation ist das Ziel, welches allerdings voraussetzt, dass von einer Position zunächst zu einer Negation übergegangen wird.

Wie bist du dann zur Wirtschaftsethik gekommen?

Die Wirtschaftsethik ist wissenschaftlich eine Verbindung des reichen Anwendungswissens der Wirtschaftswissenschaften mit den normativen Einsichten der philosophischen Ethik. Es ist ein Nachdenken über Richtig und Falsch in der Wirtschaft. Dieses Nachdenken kenne ich selber aus eigener Erfahrung als Unternehmer mit allen Ups and Downs und die Wissenschaft ist der Weg, aus diesem subjektiven Nachdenken eine methodische Sache zu machen. Im Kern geht es mir darum zu zeigen, dass Moral in der Wirtschaft keine unsichere Investition darstellt sondern vielmehr die innere Bedingung der Möglichkeit für wirtschaftlichen Erfolg, der mehr ist als eine kurzfristige Externalisierung von Verantwortung auf diejenigen, die sich nicht wehren können, zum Beispiel, weil sie keine Kaufkraft haben.

Dabei ist Wirtschaftsethik eben eine Verbindung von philosophischen und je nach Ausrichtung auch theologischen Einsichten über den Sinn der Wirtschaft, der Verantwortung von Personen, Institutionen und Ordnungssystemen. Aber es darf eben nicht nur theoretisch bleiben. Ethik soll wirken. Die grundsätzliche Relevanz von Nachhaltigkeit und Co. in der Wirtschaft ist kaum noch vernünftig zu bestreiten, und damit einher muss die Umsetzung gehen. Management ist die Kunst, mit 80 Prozent Erkenntnis Ziele zu erreichen – das kann man sehr schön für begrüßenswerte Ziele nutzen oder auch für das Gegenteil. Diese Wahl ist zentral im Umgang mit beispielsweise der Zielerreichungstechnik BWL.

An einem Dialog mit Expertinnen und Experten war ich zudem immer sehr interessiert – und eben an dem zueinander verschiedener Rationalitäten, die ich neben dem Theologiestudium auch in meiner Tätigkeit als Mitglied der Geschäftsstelle des Kanzlers der Universität Duisburg-Essen Dr. Rainer Ambrosy kennenlernen durfte. Und wieder ein biographischer Glücksfall. Hier konnte ich lernen, wie eine Wissenschaftsorganisation funktioniert, ja sogar die eine staatlich verordnete Fusion zweier solcher Organisation gelingen kann. Genau dadurch, dass man sich öffnet für die Einsichten des reichen Anwendungswissens der Betriebswirtschaftslehre, ohne Sorge zu haben, damit unaufgebbare Dignität der Wissenschaft zu gefährden. Dieses Handlungswissen hat mir immer wieder sehr geholfen, ganz abgesehen davon, dass ich später in einer privaten Hochschule durch meine Kenntnis des staatlichen Sektors gleichsam auf der institutionellen Ebene gut navigieren konnte. Ich würde Rainer ebenso wie Vittorio und Ralf als meinen Lehrer verstehen.

So kam es, dass ich – das muss so 2007 oder 2008 gewesen sein – recht spontan Gastvorträge und auch schon Seminare zur Wirtschaftsethik und anderen auch rein wirtschaftswissenschaftlichen Themen an der FOM Hochschule halten durfte. Das fand ich toll. Das war eine andere Zielgruppe als in einer Universität wie man sie klassisch kennt: Das sind Menschen, die neben dem Beruf oder der Ausbildung studieren – sehr praxisnah und doch interessiert an Wissenschaft und was für mich toll war: Der Hochschulleitung lag das Thema Wirtschaftsethik am Herzen. Ich habe nicht lange überlegt sondern sofort losgelegt. Es fühlte sich für mich sinnvoll an – Wissenschaft aber auch Praxis. Das passt gut zu mir. Hier ist etwas zu bewegen, ganz konkret, was meines Erachtens richtig und sinnvoll ist. Hohe wissenschaftliche Qualität zu verbinden mit den Arbeitsmarkterfordernissen der Wirtschaft ist letztlich auch ein gemischtrationales Geschäft, was nach Synthese verlangt. In Forschung aber auch in der Lehre, es gibt so viele talentierte Studierende, mit denen die Kurse einfach sehr viel Spaß machen, und das Fordern und Fördern geht oft in beide Richtungen.

Ich habe also an der FOM gelehrt, geforscht und 2011 hatte ich dann die Chance, in die Hochschulleitung als Prorektor für Kooperationen zu gehen. Die FOM kooperiert mit weit über 800 Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft bundesweit – eine anspruchsvolle und überaus spannende Aufgabe. Ich kann mich im Hochschulmanagement für die Wissenschaft einsetzen und für ihre positive Wirkung in der Welt zum Beispiel durch erfolgreiche Studienangebote. Aber am wichtigsten ist die Wissenschaft selber und natürlich die damit verbundenen Möglichkeiten in der Welt – wenn man alleine heute darauf achtet, was an Risiken, aber eben auch Chancen, mit der Digitalisierung verbunden ist – insbesondere auch mit der Anwendung von künstlicher Intelligenz in Gesundheit und Medizin – ist das schlicht atemberaubend. Und die Frage, inwieweit künstliche Intelligenz eine eben auch ethische Frage ist, scheint sich dem unbefangenen Bewusstsein förmlich aufzudrängen. Etwas zugespitzt könnte man fragen, ob beispielsweise Datenschutz eine Sache ist, die eben nur für Gesunde eine hohe Priorität hat, aber verständlicherweise nicht für diejenigen, die von einer entsprechend tiefen Datenanalyse und Validität bis hinein in ihr eigenes Leben im stärksten Sinne des Wortes profitieren könnten. Andersherum ist natürlich genauso deutlich zu fragen, ob alles, was möglich ist, automatisch auch legitim ist. Dass diese Formulierung rhetorisch gemeint ist, ist klar. Dies ist mithin nicht der Fall. Was wiederum in Abwägungsprozesse hinein führt, die nicht immer trivial sind.

Du bist nebenbei Musikproduzent. Machst du auch selbst Musik?

Mein Leben hat viele verschiedene Stränge. Da ist neben der Wissenschaft auch das Thema Musik immer da gewesen. Früher als Kind hatte ich eine Gitarre, auf die ich mir über 200 Lieder auf den Rücken geschrieben habe, die ich dann immer geübt habe – eben mehr schlecht als recht gecovert. Geld für die Akkordhefte hatte ich nicht übrig, da hieß es selber rangehen. Von meinem Vater habe ich ein bisschen Gesangstalent geerbt. Mein Vater war ein richtig guter Bariton, der im Essener Schubert-Bund gesungen hat. Ich selber habe zumindest die Fähigkeit erlernt, Töne zu treffen. Ob das schöner Gesang ist, liegt im Ohr des Zuhörers. Aber eine gewisse Grundmusikalität habe ich geerbt. Ich bin Autodidakt und habe mir alles selbst beigebracht.

1993 habe ich mit dem DJ einer Diskothek in Duisburg ein Tonstudio gegründet. Weil ich mehr machen wollte als nur Rumklampfen am Strand. Das war auch eine Schule des Lebens. Denn ein eigenes Tonstudio bedeutet noch nicht, es auch bedienen zu können, Kompetenzen sind das Thema. Auch das eine echte Lernerfahrung. Industrie 4.0 mit Kompetenzen 1.0 ging auch damals nicht sozusagen. Ich erinnere mich daran, dass unser erstes 48-Kanal TASCAM Pult kaum von einer Person zu bewegen war – heute passt das alles mit fast exponentiell erweiterten Möglichkeiten auf einen kleinen MAC oder PC. Im Bereich der Kreativ- und Kulturindustrie hat die Digitalisierung offenkundig einen besonderen Stellenwert und Einfluss.

Und heute spielst du auch selbst in einer Band?

Ja. Ich verdanke dem Kanzler der FOM – Dr. Harald Beschorner – dass ich nach Jahren des Nicht-Schaffens wieder zur aktiven Musik gekommen bin. Er ist Blues-Gitarrist und hat Ende 2010 dazu aufgerufen, eine FOM-Band zu gründen. So entstanden dann die FOM Allstars und 2013 sind wir immerhin vor über 20.000 Menschen in Chongqing in China aufgetreten. Das war wirklich eine tolle neue Erfahrung. Als Musikproduzent war ich damals ja eher im Hintergrund und nicht direkt auf der Bühne. Bei den FOM Allstars singe ich und spiele Rhytmus-Gitarre zusammen mit weiteren Kollegen. Wir treten immer wieder bei verschiedenen Gelegenheiten mit einem Programm aus Rock, Pop und Blues Cover-Songs auf.

Und wie kam es dazu, dass du Ruhrtone gegründet hast?

Da habe ich auf einmal über XING eine Nachricht von einem alten Freund bekommen. Der schrieb nur „Wie siehst du denn aus? Mit Bart? Und Professor?“ André Tanneberger – ATB! André macht sein Projekt ATB schon über 20 Jahre lang sehr erfolgreich und ist auf Platz 61 der Top DJs. Und da sieht man mal, wie unterschiedlich sich Biografien entwickeln. Wir haben uns getroffen und obwohl wir uns bestimmt 18 Jahre lang nicht gesehen haben, war es wie früher. Wir haben damals in seinem Kinderzimmer in Herne zusammen Musik gemacht, während seine Mutter Schaschlik gekocht hat.

Seinen Partner Rudi Dittmann kannte ich auch noch von früher und da haben wir zu dritt entschieden, nochmal zusammen Musik zu machen: und haben Bochum Ruhrtone Music Management gegründet. The Magic is still there! Seitdem machen wir dort Projekte mit tollen Künstlern wie ATB, Cedric Zeyenne, Max Bering, TMO und Morris&Morris – aber auch mit Nachwuchstalenten. Ich natürlich nur nebenbei, während die Jungs das professionell in Vollzeit betreiben. Musik ist sehr emotional: Das Gefühl, wenn du in einem Club stehst und die Menschen dort hören unsere Musik und feiern oder auch wenn du gar selbst auf einer Bühne stehst oder einer von unseren Künstlern auflegt und ein starkes Set spielt und der Laden eskaliert – das ist schon krass.

Wie siehst du deine Zukunft?

Dieses Jahr werde ich 48. Das Leben ist vielfältig, das Leben ist bunt, hat unheimlich viele Höhen, aber auch Tiefen. Family first, aber dann: Die Wissenschaft und das Hochschulmanagement sind in meinem Leben die klare Nummer Eins. Gerade die Liebe zur Wissenschaft hat mein Leben immer begleitet. Aber das Thema Ehrenamt und etwas zu bewegen finde ich auch sehr wichtig. Und dann eben noch die Musik und ab und an als Keynote Speaker vortragen. Diese Themen werden bleiben denke ich, vielleicht kommen neue hinzu. Das was ich nicht mitgestalten kann, muss ich erhoffen, dafür bete ich. Und ich versuche, beide Bereiche gut zu unterscheiden.

Du engagierst dich ehrenamtlich für viele Projekte. Für was genau?

Ich engagiere mich zum Beispiel für Roma, für Flüchtlinge oder für Kinder. Zudem ist mir das zusammen Aufstehen gegen Extreme wichtig, ein Beispiel ist jede Form von Rechtsextremismus in allen seinen bedrückenden Ausprägungen. Und ich merke immer wieder: Offenbar ist Solidarität nichts Selbstverständliches. Nicht selten werden bunte Biographien zu kritisch gesehen. Dieses empathische Sich-Einfühlen in andere Biografien ist oft nicht selbstverständlich. Es leuchtet unmittelbar ein, warum ich das nicht nur systematisch sondern auch individualbiographisch nicht befürworte. Und die Herkunft als Problem zu sehen, die Kultur, verschiedene Ausdrucksformen, gar Hautfarbe oder sexuelle Ausrichtung, ist der Verlust der Achtung vor dem, was uns Menschen ausmacht. Viele meiner Initiativen, die ich entweder selber ins Leben gerufen habe wie „Lieblingsfarbe BUNT“ oder auch Projekte, in die ich mich gerne einbringe, wie die „Wissenschaftsstadt Essen“ oder die „Kölner Wissenschaftsrunde“, die „Musiker-WG für Roma“, des geschätzten guten Unternehmers und Unternehmers des Guten Reinhard Wiesemann und vieles mehr – alle diese Aktivitäten bewegen mich sehr. Denn hier kann ich mit den Händen, die ich nun mal habe, etwas Kleines bewegen.

Was gefällt dir am Ruhrgebiet oder was gefällt dir nicht?

Am Ruhrgebiet gefällt mir am meisten Essen. Das war schon immer so. Vielleicht hat das ein bisschen mit väterlicher Prägung zu tun. Mein Vater hat Heimat sentimental und emotional ganz intensiv wahrgenommen. Ich habe noch von meinem Opa die Steigerlampe. Mein Opa ist damals nicht mehr aus dem Krieg zurückgekommen, sodass mein Vater nicht viel von seinem Vater hatte. Immer, wenn mein Vater diese Steigerlampe gesehen hat, konnte er die Tränen kaum zurückhalten. Das Thema Heimat ist mir sehr wichtig, ich liebe Essen und seine Menschen.

Wenn das Leben ein Comic wäre, welche Figur wärst du dann?

Ich hatte schon ein nicht ganz klassisches Leben bisher – aber nicht in allen Bereichen. Ich habe zum Beispiel in meinem Leben noch nie einen Tropfen Alkohol getrunken und noch nie geraucht oder Drogen genommen. Ich habe mich aber schon ganz früh so gefühlt wie Obelix: Ich bin in den Zaubertrank aus Ideen gefallen. Ich habe in meinem Leben auch nie Glücksspiel betrieben – weder Lotto noch in Las Vegas. Allerdings habe ich gerade 30 Kilogramm abgenommen. Das war der Versuch, sich sozusagen viszeral phänotypisch von Obelix zu entfernen.

  • Kefaet Prizreni

    Woooooooooooooooooooooooooooooooooooow …….. Immer noch sehr Fotogen …. das ist mal ein Ruhr Gesicht worauf mann sich Verlassen kann… WOoooooooooooooow !!!!!!!!!!

    Roma Brüder sind Hinter dir… keep Spreading the Vibe!!!!!!!!!!!

    Romaboy 😉