Nico Schiesewitz 2017-02-01T10:48:39+00:00

Project Description

Nico Schiesewitz, 21 aus Essen

„Ich lebe zwischen dem Existenzminimum und voller Ekstase!“

Hallo Nico. Stell dich bitte kurz vor.

Ich bin Nico Schiesewitz. Ich bin 21 Jahre alt und komme aus Essen-Borbeck. Ich studiere Medizin, verdiene mein Geld über einen Nebenjob und bin Sänger der Band Breathe Atlantis.

Sänger einer erfolgversprechenden Band und Medizinstudent – Wo siehst du da deine berufliche Zukunft?

Musik ist meine Hauptleidenschaft, aber ich weiß, dass die beruflichen Chancen da einfach nicht so groß sind. Da brauche ich ein Backup und das ist halt die Medizin. Wenn ich mich entscheiden könnte, würde ich aber auf jeden Fall die Musik nehmen.

Und welcher Bereich der Medizin kommt für dich in Frage?

Ich will auf jeden Fall in die Chirurgie. Herz-Thoraxchirurgie finde ich besonders cool oder Neurochirurgie, aber ich hab noch lange Zeit mich da zu entscheiden.

Im wievielten Semester bist du?

Ich bin jetzt im 5. Semester und hab im vergangenen Semester mein erstes Staatsexamen gemacht. Dieses Semester lasse ich eher an mir vorbeirieseln. Ich bin den ganzen April auf Tour und habe so viele Pflichttermine – ich würde das Semester nicht bestehen können, weil ich so viel weg bin. Ich versuche es halt einfach, nebenbei zu schaffen.

Erzähl doch mal was über die Band: Wie habt ihr euch getroffen? Wie seid ihr zusammengekommen?

Drei der fünf Mitglieder waren schon vor zehn Jahren in einer anderen Band zusammen. Sie haben sich 2012 neu gegründet. Ich bin Ende 2012 eingestiegen und der neuste Gitarrist ist dann 2013 dazugekommen.

Das war alles so ein bisschen zufallsmäßig: Ich habe damals noch mit einer anderen Band auf einem Konzert gespielt, da hat mich der Tontechniker der Band gehört. Da Breathe Atlantis gerade auf der Suche nach einem neuen Sänger waren, kam er zu mir und sagte: „Du singst voll gut, ich schlag dich einfach mal vor.“ Und so sind wir dann durch Zufälle irgendwie zusammengewürfelt worden. Mit den drei ursprünglichen Leuten gibt es aber eine Base, die sich schon ewig kennt.

Wo habt ihr schon überall gespielt? Wo hat es dir besonders gefallen.

Also an alle Orte kann ich mich gar nicht mehr erinnern, aber cool war auf jeden Fall z.B. das Olgas-Rock Festival in Oberhausen. Und letztes Jahr haben wir in Stuttgart gespielt, im LKA Longhorn mit Sum 41. Da waren auch die Leute unglaublich gut drauf. Du weißt ja auch nicht wie das so funktioniert, wenn du vor einer Pop-Punk-Band Vorband bist und ob du dann mit Metal überhaupt ankommst … Die Leute sind komplett ausgerastet. Es war echt cool. Aber natürlich auch so etwas, wie unsere Album-Release Show, wo alle Leute da sind, die du kennst.

Habt ihr einen Plattenvertrag?

Wir sind bei Redfield Records, einem kleineren Independent Label aus Deutschland. Für unser neues Album haben wir uns einen Produzenten aus New York gesucht, Dan Korneff, der auch schon für Papa Roach, My Chemical Romance und Paramore gearbeitet hat. Wir wollten uns ein bisschen nach oben orientieren. Das war ne echt tolle Zeit dort drüben.

Was habt ihr so für die Zukunft geplant? Ihr schreibt ja gerade auch an neuen Liedern?

Eigentlich möchten wir erst mal das Album promoten; das ist ja gerade erst brandneu.
Wir sind z.B. im April und im Sommer auf Tour und widmen uns vielleicht gegen Ende des Jahres ein paar neuen Sachen.

Habt ihr schon viele Fans und gibt es auch Groupies?

Wir fangen langsam an, unsere Fanbase aufzubauen. Und Groupies … ja, wir sind halt alle vergeben, deswegen haben wir nicht wirklich einen Blick dafür. Hauptsache ist, dass die Leute uns unterstützen, auch wenn es da Möglichkeiten gab.

Wie alt seid ihr alle?

Ich bin der Jüngste mit 21. Jan, unser Gitarrist, ist 24 und die anderen Jungs gehen an die 30. Also ein wilder Haufen.

Kannst du von der Musik leben?

Als Hobby kann ich die Musik nicht mehr bezeichnen, weil es schon echt viel Arbeitsaufwand ist, aber Geld verdiene ich damit noch nicht wirklich. Klar, bekommt man Geld, aber das wird dann direkt wieder reinvestiert und da wir uns auch immer weiter verbessern wollen, was die Livetechnik, die Show und die Musikvideos angeht, ist das Geld natürlich immer wieder relativ schnell weg.

Ihr habt jetzt auch Merchandise?

Das haben wir schon relativ lange, aber wir haben jetzt ein paar neue Teile dazu bekommen und dann auch ein vernünftiges Shooting gemacht. Wir versuchen das ganze jetzt immer weiter zu professionalisieren, so dass irgendwann nur noch das kleine Quäntchen Glück zum Durchbruch fehlt, aber wir von unserer Seite alles Mögliche getan haben.

Ich konzentriere mich sehr auf die Musik und habe das Studium zurückgefahren. Auch die anderen haben ihre berufliche Ebene relativ stark runtergefahren, um Zeit für die Musik zu haben. Etwas theatralisch ausgedrückt, leben wir alle irgendwo zwischen Existenzminimum und voller Ekstase.

Wenn du so viel zu tun hast: Gibt es etwas, das dich jeden Tag neu motiviert, um den Erfolg zu kämpfen?

Was mich auf jeden Fall am meisten motiviert, ist die Musik an sich. Egal was ist – Musik macht mich glücklich. Ich komme schlecht gelaunt zur Probe, wir besprechen noch was, aber wenn wir dann anfangen zu zocken … Danach bin ich einfach gut drauf! Und wenn du auf der Bühne stehst, ist es komplett egal, was davor gelaufen ist – es ist alles vollkommen gerechtfertigt. Ja. Das bringt mich durch den Alltag. Das möchte ich einfach machen. Damit möchte ich irgendwann mein Geld verdienen. Das ist das, was mich jedes Mal vorantreibt.

Gibt es etwas, das du an dir ändern wollen würdest?

Ja, ich würde gerne manchmal etwas simpler denken. Wir alle in der Band sind nicht auf den Kopf gefallen. Unser Bassist zum Beispiel hat vor kurzem seinen Doktor der Philosophie gemacht mit summa cum laude. Wenn so viele Köpfe zusammen hängen, die alle kreativ sind und ein relativ großes, fundiertes Meinungsbild haben, ist es einfach total schwierig das zusammenzubringen. Viele Bands schreiben irgendwas und das ist einfach so simpel und gut und deswegen funktioniert es auch einfach. Wir denken uns manchmal so komplizierte Stücke aus und müssen unsere Sachen dann oft wieder sehr reduzieren, damit es eine breitere Masse anspricht.

Du lebst ja hier im Ruhrgebiet. Was gefällt dir hier oder speziell an Essen? Würdest du wegziehen, wenn es der Beruf erfordert?

Also erst mal würde ich nicht wegziehen – außer wenn es der Beruf erfordert. Für die Musik zum Beispiel würde ich das Ruhrgebiet aufgeben. Mir gefällt, dass wir hier eine relativ große Menschenvielfalt haben. Du kannst mit Vielen relativ leicht Kontakte knüpfen. Vom Gefühl her ist es hier schon sehr familiär. Im Verhältnis zu anderen Städten sind die Leute hier sehr ehrlich und die kulturelle Struktur hier finde ich sehr interessant. Als ich 15 war hatte ich zum Beispiel ein Jahr lang Gesangsunterricht und mir wurde sofort die Möglichkeit geboten, auf der Bühne etwas zu präsentieren und diese Möglichkeiten gibt es hier für viele junge Leute. Wenn du Musik machen willst, dann hast du hier einfach die Gelegenheiten dazu – sogar mit geringen Geldmitteln.

Wo hast du deine Wurzeln?

Mein Vater kommt aus Surinam. Das ist ein Staat in Südamerika. Ganz nah bei Brasilien. Aber ich hatte noch niemals Kontakt zu meinem Vater. Das habe ich auch nie gewollt. Mein Vater war auch Sänger und Musiker. Das ging aber eher in Richtung Chanson.

Bei all den Aktivitäten – wie sieht es denn mit deinem Nightlife aus?

Ich brauche immer etwas zu tun. Mir ist unglaublich schnell langweilig. Ich brauche immer Aktivität, das heißt beim Feiern bin ich auf jeden Fall auch immer dabei. Deswegen mache ich auch so viel. Das Studium und noch einen Nebenjob. Ich brauche das einfach. Ich kann zum Beispiel nicht gut in den Urlaub zum Sonnen fahren. Ich war vor einem Jahr mit meiner Freundin auf Fuerteventura und sie hat sich fast nur gesonnt. Ich hab dann angefangen, Songtexte zu schreiben und zu arbeiten, weil es einfach zu langweilig ist für mich. Wenn ich Urlaub mache, dann würde ich in eine Stadt fahren und zumindest so etwas wie Shopping machen – aber keine Aktivität ist für mich verschwendete Zeit. Ich will einfach soviel von meiner Zeit nutzen, wie es irgendwie geht.

Wenn das Leben ein Comic wäre, welche Figur wärst du?

Ohh. Ich bin leider überhaupt nicht firm was Comics angeht. Ich glaube, weil ich relativ tollpatschig bin, vielleicht so etwas wie Donald Duck. Denn wenn etwas in einem Raum umgeworfen wird, dann bin ich es auf jeden Fall meistens gewesen. Aber ich habe mich schon gebessert. Mittlerweile schaffe ich es auch schon mal einen ganzen Tag zu überstehen ohne dass etwas passiert.